Natur übernimmt Grabpflege

Der Ruheforst Wingst besteht seit zehn Jahren / Rund 700 Urnenbeisetzungen im Wald

von Wiebke Kramp

 

10 Jahre Ruheforst Wingst

 

Mit dieser Art der Bestattungskultur hatte die Kirche zunächst so ihre Probleme. Mittlerweile aber hat sie dem Wald als Begräbnisstätte ihren Segen gegeben. Mit Bert Hitzegrad, Klaus Volkhardt und Uwe Beuerlein hielten drei Pastoren die Andacht unter dem schlicht gezimmerten Holzkreuz im Wingster Wald. Anlass war das zehnjährige Ruheforst-Jubiläum.

Das 13 Hektar große Waldstück hinter dem Forsthaus Dobrock ist Familienbesitz von Gebhard von der Wense. Plaketten mit Nummern und Namen an Bäumen, eine auf dem Laubteppich liegende Rose oder ein selbst gepflückter Blumenstrauß auf einem Baumstumpf zeugen davon, dass es sich hier um ein besonderes Fleckchen Erde handelt. Leben und Tod, Wachstum und Ver-gänglichkeit liegen ganz nahe beieinander. In den zurückliegenden zehn Jahren gab es hier rund 700 Beisetzungen in biologisch abbaubaren Urnen. In der Andacht und Feierstunde klang am Freitag mehrfach an, dass einhergehend mit gesellschaftlichen Veränderungen sowie zunehmender Mobilität das Bestattungswesen anders geworden sei.

Diese letzte Ruhestätte unter Baumwipfeln mitten im Wald kommt ohne die Beschäftigung von Steinmetz oder Gärtner aus. Hier übernimmt die Natur die Grabpflege.

Für musikalische Begleitung sorgten der Posaunenchor sowie die zwitschernden Vögel. Bei dieser Andacht unter zart sprießendem Frühlingsgrün stellte Bert Hitzegrad heraus, dass eine angemessene, würdevolle Bestattung von Anfang an wichtig für die christliche Gemeinschaft als Zeichen der Barmherzigkeit sei. Für Land Hadelns Samtgemeindebürgermeister Harald Zährte ist „der Wald Lebensraum und Friedhof zugleich". Er nannte den Ort eine Verknüpfung aus Leben und Tod, aus Nachhaltigkeit und Sterben. Für den Wingster Bürgermeister Patrick Pawlowski spiegelt dieser Ort das Auf und Ab des Lebens wider.

Der Wald als letzte Ruhestätte hat eine relativ junge Geschichte. Sie begann 1993 in der Schweiz. Das Unternehmen Ruheforst gründete sich 2003 und ist stark angewachsen. Mittlerweile gibt es deutschlandweit 65 Ruheforste. Sie sollen daran erinnern, dass der Mensch als Teil der Schöpfung vergänglich sei, so Ruheforst-Geschäftsführer Jost Arnold. „Acht bis zehn Prozent der Menschen werde heute im Wald bestattet." Als Geschenk hatte er für Gebhard und Axel von der Wense ein neues Holzschild mitgebracht.

 

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Ruheforst Wingst

»Auf Trauerzeremonien kann, muss aber nicht verzichtet werden. Die namentliche Kennzeichnung des Grabes mit einer Plakette ist möglich. Ruhe-Biotope benötigen als Teil des natürlichen Waldes keine Pflege. Sie können schon zu Lebzeiten ausgewählt werden. Recht auf Nutzung kann auf bis zu 99 Jahre erworben werden. Die Asche des Verstorbenen wird in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt.

NEZ vom 08.04.2017

   

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